Lehrerinnen und Lehrer protestieren am 07.09.2012

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Landeselternrates und der Kreiselternräte,

der Sächsische Lehrerverband ruft mit seiner Spitzengewerkschaft dbb tarifunion Lehrerinnen und Lehrer an den staatlichen Schulen in Sachsen am 07.09.2012 zum Warnstreik auf.

Wir würden uns freuen, wenn die Elternräte das Anliegen dieses Warnstreiks unterstützen und unter den Eltern für Verständnis werben.

Am 10. Juli 2012 präsentierte die Sächsische Staatsregierung erste Eckwerte zum Doppelhaushalt 2013/2014 und betonte dabei, dass man erstmalig 5 Mrd. Euro jährlich für die Bildung aufwenden wolle. Laut Ministerpräsident Stanislaw Tillich soll damit sichergestellt sein, dass Sachsen „die Spitzenposition in der Bildung“ behalte. Nunmehr liegt der Entwurf des Doppelhaushalts vor, der bereits mittelfristig einen Personalabbau im Schulbereich vorsieht, obwohl die Schülerzahlen bis mindestens 2020 stetig steigen!

Lehrerinnen und Lehrer protestieren gegen Personalmangel an den Schulen

Bei der Vorbereitung des neuen Schuljahres wird der Lehrermangel deutlich. Klassen, Lerngruppen und Kurse werden zusammengelegt, Schulen mit geringer Schülerzahl sind von der Schließung bedroht und Lehrer werden an andere Schulen und Schularten abgeordnet. Mit der Herausnahme der Stunden für Ganztagesangebote aus den Lehraufträgen der Lehrer wurden bereits die Reserven in den Schularten Mittelschule und Gymnasium für die Gewährleistung des Unterrichts verwendet. Wenn im Verlauf des nächsten Schuljahres Lehrkräfte ausfallen, wird es kaum Vertretungsreserven geben. Leidtragende dieses Prozesses sind Schüler und Lehrer.

Lehrerinnen und Lehrer streiken für neue Altersübergangsmodelle, die zusätzliche Einstellungen junger Lehrerinnen und Lehrer ermöglichen

Die bundesweite Vergleichsstudie „Bildungsmonitor 2012“ warnt vor einer unausgewogenen Altersstruktur der Lehrkräfte in Sachsen. Mit neuen Altersübergangsmodellen bzw. einem Demografie-Tarifvertrag haben die Gewerkschaften intelligente Lösungsvorschläge unterbreitet, wie älteren Lehrkräften ein würdevoller Übergang in den Ruhestand ermöglicht wird und gleichzeitig mehr junge Lehrer eingestellt werden können. Auch in diesem Jahr werden wiederholt gut ausgebildete junge Lehrerinnen und Lehrer den Freistaat verlassen, weil sie keinen Arbeitsvertrag erhalten, aber dringend gebraucht werden. Der sächsische Finanzminister lehnt aber sämtliche Verhandlungsangebote der Gewerkschaften ab. Deshalb rufen die Gewerkschaften am 7. September 2012 zum Warnstreik auf – ein legitimes Mittel zur Durchsetzung von Interessen in einer pluralistischen Gesellschaft.

Lehrerinnen und Lehrer fordern gerechte Eingruppierung in Gehaltsgruppen

Beim Bildungsmonitor 2012 erreichte Sachsen zum siebten Mal in Folge den ersten Platz. Von Seiten sächsischer Bildungspolitiker wird das als Verdienst der sächsischen Lehrerinnen und Lehrer klar herausgestellt. Wir leisten in unseren Schulen gute Arbeit. Darauf sind wir zu Recht stolz.

Aber auch 22 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung werden die sächsischen Pädagogen immer noch in niedrigere Gehaltsgruppen eingruppiert als Kollegen anderer, auch ostdeutscher Bundesländer. Das ist zugleich ein Standortnachteil, der nicht zur Gewinnung des dringend benötigten Lehrernachwuchses beiträgt. Diese Ungerechtigkeit werden die Lehrkräfte nicht länger hinnehmen und protestieren deshalb am 7. September vor dem Landtag in Dresden auch für ihre Rechte als Arbeitnehmer.

Wir tragen diesen Protest nicht „auf dem Rücken der Schüler“ aus, wir kämpfen für bessere Personalausstattung an den Schulen und unsere Rechte als Beschäftigte.

Für Ihre Unterstützung danke ich Ihnen.

Jens Weichelt
Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes

Sächsischer Lehrerverband im VBE
Meißner Str. 69, 01445 Radebeul, Tel.: (0351) 8 39 22 0, Fax: (0351) 8 39 22 13, www.slv-online.de