Kulturmagazin Dresden schreibt

Es rumort in der sächsischen Bildungslandschaft.

Bildung ist Sache der Länder und damit in der Obhut von Politikern und Verwaltungsbeamten, die nicht immer das beste Zeugnis vorweisen können. So scheint es zumindest in Sachsen, wo statistische Einsichten nicht wirklich verstanden werden. Der Lehrermangel ist seit langem bekannt, die steigenden Geburtenraten nicht minder. Aber anstatt die vorhanden Möglichkeiten auszuschöpfen, kommt es von Seiten der »Sächsischen Bildungsagentur« zu vehementen Interventionen, die ein Gerichtsurteil erwirkten, das die Schließung der Neustädter »Natur- und Umweltschule« äußerst wahrscheinlich macht. Nach einem Jahr revidierten die Richter des Oberverwaltungsgericht die Entscheidung, die 2011 das Verwaltungsgericht fällte. Für die NUS, die schon für das kommende Jahr plante, konnte das Urteil zu keinem schlechteren Zeitpunkt fallen, denn die Sommerpause steht auf allen Ebenen an. Die SBA wird’s freuen, unter anderem auch deshalb, einmal mehr Recht bekommen zu haben, das ihrer Arbeit ein gutes Zeugnis ausstellt. Das Problem dabei ist, dass die von der SBA abgelieferte Arbeit machtpolitisch motiviert zu sein scheint. Anders kann man es sich nicht erklären, dass eine freie Schule, die sich in den ersten vier Jahren selbst finanzieren muss, geschlossen werden soll, obwohl sie es versteht, soziale Ebene und Sachebene zu verbinden. Hier geht es nicht um das steife Vermitteln von Wissen, sondern um das lebendige Erschließen von Inhalten, von Verantwortung und sozialen Kompetenzen. Kommunikation, Emotion und Lernen gehen hier Hand in Hand, nicht minder die Eltern mit den Pädagogen und Erziehern. Alle stehen hier in der Verantwortung, die ein hohes Maß an Engagement einfordert, das von allen gerne erbracht wird. Auch dann, wenn die Zukunft ungewiss ist.

So zogen nach der Bekanntgabe des Urteils die Schüler, Pädagogen und Eltern vor den Stadtrat, der derzeit über den Schulnetzplan debattiert. Wenn die Zukunft der kindlichen Bildung und Erziehung in Dresden nicht derart prekär wäre, müsste man fast schon über die absurde Situation lachen. Aber aus dem Umfeld der NUS mag gerade keiner der Situation ein Lachen abgewinnen. Unmut, Trotz und Trauer herrschen vor. Letzteres vor allem bei den Kindern, die, und dass muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, weil es kein Witz ist, gerne und mit Freude in die freie Schule gehen. Welches Kind weint schon, wenn es nicht in die Schule gehen kann? Dort ist es der Fall. Man kann nur hoffen, dass es die einzigen Tränen bleiben, die wegen der NUS vergossen werden, und dass das Lachen zurückkehrt. Derzeit können nur die staatlichen Bildungsverwalter Lachen, weil sie ihr Hoheitsgebiet erfolgreich verteidigten, das noch stets Probleme damit hat, für alternative Konzepte den Boden zu bereiten. Scheinbar fürchtet man einen Machtverlust, wenn freien Schulen wie der NUS Terrain zur Verfügung gestellt wird. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Öffnung der Bildungslandschaft für alternative Konzepten kann ein Gewinn darstellen, einmal vorausgesetzt, dass man bereit dafür ist, in Austausch zu treten und voneinander zu lernen. Es sollte den Verwaltern der Bildung zu Denken geben, dass ihr pädagogisches Angebot nicht befriedigt und immer wieder Eltern und Pädagogen dazu bringt, andere Bildungskonzepte auf den Weg zu bringen. Denn ihr Engagement entspringt nicht einer Antihaltung, sondern artikuliert die Sorge um die Zukunft unserer Kinder, die bekanntlich unsere Zukunft sind.

Aufruf an die Stadtabgeordneten
Elternbrief an Frau Staatsministerin Kurth, Herrn Staatssekretär Herbert Wolff und Herrn Bélafi von der SBA